Leseprobe aus:

Die vielen Tode des Herrn S.
Beste Pflanzzeit

...... Bei der hübschen Evelyne hatte er ordentlich gebaggert, bis er herausfand, dass sie gar nicht alleinstehend, sondern allein erziehend war. Er hatte schnell den Rückzug angetreten und der rundlichen Witwe Wohlgemuth nicht nur den Garten, sondern auch den Hof gemacht. Eine Zeitlang lud sie ihn regelmäßig zum Essen ein. Er fand, das war ein gutes Zeichen, Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Dann war wie aus dem Nichts Herr S. aufgetaucht. Er hatte eine Eigentumswohnung im selben Haus erstanden und die Witwe Wohlgemuth ließ sich von diesem charmanten und wortgewandten Blender sofort umgarnen. Herbert hatte sich beleidigt zurück gezogen, obwohl ihm das ganz gut in den Kram paßte. Er hatte inzwischen die Schwestern Bausch an der Angel. Beide Anfang Fünfzig, recht lebenslustig, noch ausgesprochen ansehnlich und Erbinnen der renommierten Papierfabrik Bausch und Bogen. Sie besaßen eines der größten Grundstücke der Umgebung, mit dem prächtigen Garten und einem riesigen Haus. Herbert träumte davon, hier seinen Lebensabend zu verbringen. Die Zeichen hatten gut gestanden, bis Herr S. den Schwestern seine Aufwartung gemacht hatte.

Ein Schuss riß den Gärtner aus seinen Gedanken, aber schnell wurde ihm klar, dass dies ein Sektkorken gewesen sein musste. Herbert schleuderte den Spaten von sich. Das wär’s doch, ein Duell im Morgengrauen. „So leicht gebe ich nicht auf!“ grunzte er und sah die Szene schon vor sich: Er und Herr S. Rücken an Rücken, die Pistolen im Anschlag. Herbert hatte keinerlei Erfahrung mit Schußwaffen, fürchtete aber, Herr S. als mutmaßlicher Bankräuber, könne da im Vorteil sein. „Ich bin kein Feigling!“ rief Herbert in die beginnende Dämmerung. Bei einem Zweikampf, Mann gegen Mann, wie damals mit dem Bäcker, rechnete er sich größere Chancen aus. „Ich krieg dich!“ brüllte er aus seinem Erdloch. Doch Herr S. war fast zehn Jahre jünger als er, das Risiko einer Niederlage schien Herbert plötzlich zu groß. Verächtlich spie er auf den Mutterboden und bemerkte erst jetzt, wie tief die Erde schon ausgehoben war. Er befand sich in Augenhöhe mit der Grasnabe. „Von dir laß ich mich nicht ausbooten!“, zischte er zwischen den Zähnen hervor, während er vergeblich versuchte, aus dem Loch heraus zu krabbeln. Die Erde war feucht und glatt, erst nach mehreren Anläufen lag er schließlich bäuchlings auf dem Rasen. Vom Haus her hörte er munteres Lachen und Gläser, die aneinander stießen.

„Ich werde dich vergiften. Ich brau‘ einen Sud aus Gift- und Gartenkräutern und dann stoßen wir zwei an!“
Herbert sah sich suchend um. Auch wenn es heller gewesen wäre, hätte er weder Maiglöckchen, noch Goldregen oder Oleander und auch keine Herbstzeitlose gefunden. Er versuchte den gröbsten Schmutz von seiner Hose zu klopfen und spähte in das fast zwei Meter tiefe Loch. „So ein Mist, da kann ich die Hälfte wieder zuschütten“, schimpfte er, nahm ein paar große Steine auf und schmiß sie hinein. Langsam ging er in Richtung Veranda. Dort hörte er Marga beschwipst flöten: „Prost Willi, ich heiße Marga...“, sie kicherte kindisch. Herbert ballte die Fäuste........

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